Was die gestiegene Anzahl an Betretungsverboten eigentlich aussagt: Gewalt von Männern gegen Frauen in der Privatsphäre ist und bleibt ein Problem – auch im schönen und braven Vorarlberg. Darin sind sich SPÖ-Landesparteivorsitzender und Sicherheitssprecher Mario Leiter sowie SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Bea Madlener-Tonetti einig.
Schwerpunkt Prävention und Gewaltberatung
Denn jedem ausgesprochenen Betretungsverbot geht eine Gewalthandlung voraus, meist von Männern gegen Frauen. „Hoffentlich konnte durch das Einschreiten Schlimmeres verhindert werden. In jedem Fall ist ein Betretungsverbot aber nur eine „kleine“ Maßnahme im Gewaltschutz und eigentlich schon ziemlich am Ende der Eskalation“, weiß Leiter. „Der Schwerpunkt muss daher auf Prävention und Gewaltberatung liegen, und hier ist die Landesregierung gefordert, die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen. In diesem Bereich zu sparen, bedeutet, an der Sicherheit von Frauen zu sparen“, sagt Leiter, in Erinnerung an die Kürzungen bei der Finanzierung des ifs.
Mehr Aufklärung und Information
Die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende bringt noch eine weitere Perspektive ein, die oft vergessen wird: „In 591 Fällen haben Frauen den Schritt aus dem Schweigen und Ertragen gewagt und die Polizei um Hilfe gerufen – das verdient Anerkennung!“ Immerhin können Scham, aber auch fehlendes Wissen darüber, welche Möglichkeiten es gibt, eine große Hemmschwelle sein, weiß Madlener-Tonetti. Umso entscheidender sei es, die Dunkelziffer zu reduzieren und in Aufklärung sowie Information zu investieren. Sie verweist dabei auf die wichtige Arbeit der Gewaltschutzstelle des ifs in Feldkirch. Im „Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt gegen Frauen“ sieht sie ein bedeutendes Instrument, um Gewalt gegen Frauen systematisch zu begegnen. Besonders vielversprechend könnte das digitale Tracking für Gefährder werden, an dem Justiz und Inneres gerade arbeiten – mit dem Fokus auf den Schutz der Opfer und die Unterstützung der Exekutive.