Der heute präsentierte Bericht „Pflege und Sozialbetreuung 360°“ durch die Landesregierung bestätigt es schwarz auf weiß: Bis 2035 braucht Vorarlberg rund 2.600 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte. 1.500 davon allein wegen Pensionierungen, weitere 1.100 durch den steigenden Bedarf einer älter werdenden Bevölkerung. „Diese Zahlen sind alarmierend. Sie sind das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse, auf die wir mindestens ebensolange schon hingewiesen haben. Die durchgehende Ignoranz insbesondere der ÖVP in dieser Frage hat jetzt massive Auswirkungen auf die Pflegesicherheit in Vorarlberg“, sagt SPÖ-Sozialsprecherin Manuela Auer.
Jahrzehnte Zeit gehabt – zu wenig passiert
Der demografische Wandel ist seit langem bekannt. Trotzdem habe es die ÖVP als seit Jahrzehnten dominierende Regierungspartei nicht geschafft, rechtzeitig ausreichend in Ausbildung und Personalaufbau zu investieren. „Man wusste, dass die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen. Trotzdem wurde nicht konsequent gegengesteuert. Jetzt stehen wir vor einem massiven Personalmangel“, so Auer. Auch die FPÖ trage als aktuelle Regierungspartnerin volle Mitverantwortung. „Landeshauptmann Wallner und sein Stellvertreter Christof Bitschi nehmen das offenbar nur noch zur Kenntnis. Der Umgang von ÖVP und FPÖ mit der Pflege und dem gesamten Sozialbereich ist ein einziges Desaster“, bilanziert die Sozialdemokratin.
Ausbildung wird verteuert, obwohl jetzt schon Pflegekräfte fehlen
Angesichts der notwendigen Pflegekräfte hat die SPÖ kein Verständnis dafür, dass ÖVP und FPÖ erst vor wenigen Wochen im Landtag einen SPÖ-Antrag abgelehnt haben, den von der Landesregierung soeben gestrichenen Ausbildungsbeitrag für Pflegeausbildungen wieder einzuführen. „Der Bericht warnt vor einem riesigen Personal-Engpass und gleichzeitig streicht die Landesregierung die finanzielle Unterstützung für die Ausbildung angehende Pflegekräfte. Das ist sachlich doch völlig unschlüssig und politisch verantwortungslos“, kritisiert Auer. Gerade in einer Situation, in der tausende zusätzliche Fachkräfte gebraucht werden, dürfe jungen Menschen der Einstieg in die Pflege nicht finanziell erschwert werden. „Pflege ist keine Randthema, dem sich eine Landesregierung nur halbherzig widmen kann. Es handelt sich hier um eine zentrale Frage der sozialen Sicherheit. Es geht dabei um tausende pflegebedürftige Menschen und ihre Familien – und letztlich auch um die Sicherstellung der Menschenwürde. Die Landesregierung muss beim dafür notwendigen Personal endlich eine Trendumkehr schaffen und sollte das Thema endlich mit dem notwendigen Ernst behandeln.“