Die Medien berichten von einem Fall, in dem eine 19-jährige Frau nach einem Suizidversuch im LKH Bludenz behandelt und rasch wieder entlassen worden sein soll. Ein dringend benötigter Termin bei einem Facharzt bzw. einer Fachärztin sei erst in mehreren Wochen möglich, wurde ihr trotz Überweisung von mehreren Praxen mitgeteilt. Als sich ihr Zustand noch am selben Tag verschlechterte, habe sie sich auf Zureden ihrer Mutter selbst in die Psychiatrie einweisen zu lassen versucht. Sie wurde in Folge von einem Krankenwagen abgeholt und nach Bludenz gebracht, wo laut vol.at in den Abendstunden routinemäßig die somatische Abklärung erfolge. Brisant ist insbesondere folgende Passage in diesem Artikel: In Bludenz erkennt die diensthabende Ärztin die Notlage, ruft in Rankweil an und erbittet eine Aufnahme. „Aufgrund von Personalmangel in der Nacht war das aber nicht
möglich. Nur, wenn es schlimmer geworden wäre, hätte ich selbst mit dem Auto nach Rankweil fahren sollen”, schildert Anna die Situation im Nachhinein. Nachdem ihr in Bludenz nicht weiter geholfen werden kann, wird sie aus dem Krankenhaus geschickt.
Dieser Fall wirft ein besonders tragisches Schlaglicht auf den Zustand der psychiatrischen Versorgung in Vorarlberg. Wirklich überraschend kommt er allerdings nicht. Sowohl der jüngst veröffentlichte Bericht der Volksanwaltschaft2 als auch der aktuelle Vorarlberger Suizidbericht zeigen klar auf, dass es erhebliche Lücken in der psychiatrischen Versorgung gibt. Auch die einer Landtagsanfrage im April bestätigt erneut, dass Betten in der Psychiatrie in Rankweil aufgrund von Personalmangel „gesperrt“ sind und nicht betrieben werden können.
In Summe zeigt sich ein klares Bild: Der geschilderte Fall ist kein unerwarteter Einzelfall, sondern eine absehbare Folge eines Systems, das nicht mehr richtig funktioniert. Dass suizidgefährdete Personen von einem Vorarlberger Krankenhaus abgewiesen werden und es nur noch vom beherzten Einsatz der Angehörigen abhängt, ob eine lebensgefährliche Gesundheitskrise bewältigt werden kann, weist auf ein ernstes Problem in der Gesundheitsversorgung hin, das nicht länger ignoriert werden darf. Es fehlt an ausreichend verfügbaren Behandlungsplätzen, an funktionierenden Übergängen nach stationären Aufenthalten und an rasch zugänglicher Hilfe in akuten Krisen. In der aktuellen Psychiatrie- und Suchtstrategie stellen Sie richtigerweise fest: „Menschen in
psychosozialen Krisen oder suizidaler Einengung benötigen einen schnellen, unkomplizierten und niedrigschwelligen Zugang zu Hilfe.“ Berechtigterweise stellt sich daher die Frage, warum dieser niederschwellige Zugang nach wie vor nicht selbstverständlich ist.