Während die schwarz-blaue Landesregierung unbeirrt an ihrer Spitalsreform und dem Spitalscampus festhalte, würden zahlreiche Maßnahmen, die Patientinnen und Patienten unmittelbar zugutekommen könnten, weiterhin vernachlässigt, kritisieren SPÖ-Gesundheitssprecherin Manuela Auer und die Betriebsrätin Patricia Zangerl heute im Rahmen einer Pressekonferenz. „Es gibt heute bereits viele Wege, die Spitäler zu entlasten und die Gesundheitsversorgung für die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zu verbessern. Diese Möglichkeiten werden von der Landesregierung jedoch weitgehend ignoriert. Stattdessen wird stur an einer Umstrukturierung der Krankenhäuser festgehalten, die Millionen an Steuergeld verschlingt und für die es bis heute kein langfristiges Zielbild gibt“, betont SPÖ-Landtagsabgeordnete und Gesundheitssprecherin Manuela Auer.
Acute Community Nurses-Modell in Vorarlberg starten
Großen Handlungsbedarf sieht die SPÖ etwa beim Ausbau der Acute Community Nurses. „Mehr als die Hälfte aller Patientinnen und Patienten wird nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in die hausärztliche Versorgung entlassen. Genau an dieser Schnittstelle könnten Acute Community Nurses eine zentrale Rolle übernehmen“, erklärt Patricia Zangerl. Dieser mobile Pflegedienst mit speziell fachlich geschultem Personal könnte die Betreuung nach dem Spitalsaufenthalt begleiten und damit unnötige Wiedereinweisungen verhindern, betont Zangerl. „Das ist diplomiertes Pflegepersonal mit einer Notfallsanitäter-Ausbildung. Für einen Katheterwechsel oder einen Infusionstausch müssen Patientinnen und Patienten dann nicht extra ins Krankenhaus kommen. Das kann die Acute Community Nurse direkt vor Ort zuhause erledigen“, so Patricia Zangerl. Das bedeute eine spürbare Entlastung für Betroffene, Spitäler und die niedergelassene Ärzteschaft gleichermaßen.
Bereits im Sommer 2024 hat die SPÖ die Einführung der Acute Community Nurses gefordert. Auch der Landesrechnungshof hatte damals in seinem Prüfbericht zum Rettungswesen eine Empfehlung für diesen mobilen Pflegedienst ausgesprochen. 2025 wurde von der SPÖ dann auch ein Antrag im Landtag eingebracht, der bei den Regierungsparteien auch auf Zustimmung gestoßen ist. „Seitdem ist aber nichts passiert. Nicht einmal einen Modellversuch hat es in Vorarlberg bisher gegeben“, kritisiert Manuela Auer. Andere Bundesländer seien hier längst weiter. „In Niederösterreich sind Acute Community Nurses bereits seit 2015 erfolgreich im Einsatz. Auch Salzburg will künftig wieder auf dieses mobile Pflegesystem setzen. Vorarlberg sollte sich daran ein Beispiel nehmen“, betont die SPÖ-Gesundheitssprecherin. Denn die Acute Community Nurses seien eine Chance, um die Gesundheitsversorgung im Land besser und günstiger zu machen, so Auer. Auch etwa weil das dafür nötige Personal an der heimischen Fachhochschule ausgebildet werden könne. „Für uns ist damit klar, dass es ein Modell für die Acute Community Nurses in Vorarlberg braucht und zwar so schnell wie möglich“, fordert Manuela Auer.
EVAs als Wahlzuckerl versprochen
Ein weiterer wichtiger Hebel zur Entlastung der Krankenhäuser seien die Erstversorgungsambulanzen (EVAs), so Patricia Zangerl: „Kurz vor der Landtagswahl 2024 wurde in Bregenz die bisherige Ambulante Ersteinschätzung (AEE) als EVA-Pilotprojekt etabliert. Bis auf die Beschilderung hat sich für die Beschäftigten vor Ort aber kaum etwas verändert.“ Die Behandlungsräume seien noch immer dieselben wie vor zwei Jahren. Dabei sei ein entscheidendes Merkmal der EVA, dass sie sich eben nicht in den Strukturen der interdisziplinären Ambulanzen befindet, sondern räumlich ausgelagert ist, betont Zangerl. „Bis heute wurde hier nichts umgebaut. Es handelt sich nach wie vor um ein Provisorium und damit nicht um das, was den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor der Landtagswahl von der ÖVP versprochen wurde“, so die Betriebsrätin. Dadurch könne die Erstversorgungsambulanz ihr eigentliches Potenzial gar nicht entfalten. „Die räumlichen Voraussetzungen fehlen. Das Potenzial der EVA geht damit verloren“, hält Zangerl fest.
Millioneninvestitionen ohne langfristigen Plan
SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer übt abschließend noch grundsätzliche Kritik an der aktuellen Spitalsreform der Landesregierung: „Die schwarz-blaue Landesregierung treibt eine weitreichende Spitalsreform voran, ohne konkrete Pläne vorzulegen, wie die Vorarlberger Spitalslandschaft nach 2030 überhaupt aussehen soll.“ Schon jetzt würden Millionenbeträge in Umbauten sowie Honorare für externe Beratungsleistungen fließen, ohne dass ein langfristiges Zielbild vorliege. „Der Zeithorizont dieser Reform ist aus unserer Sicht viel zu kurz gegriffen. Es bleibt völlig unklar, was nach 2030 passieren soll“, so die SPÖ-Gesundheitssprecherin. Damit bestehe die Gefahr, dass die derzeitigen Investitionen in bauliche Anpassungen für die Verlagerung einzelner Fachbereiche später ins Leere laufen. „Die Kosten explodieren bereits jetzt. Aus unserer Sicht ist das keine zielgerichtete Spitalsreform, sondern vielmehr ein planloses Herumdoktern – und das auf Kosten der Gesundheitsversorgung der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger“, sagt Auer. Zudem dürfe man nicht außer Acht lassen, dass zusätzlich zur teuren Strukturdebatte in den Spitälern Kosten für etwa dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen anfallen würden: „Die Wasserschäden in den Bettentürmen im Landeskrankenhaus Feldkirch etwa erfordern Sanierungsmaßnahmen, die für den Betrieb des Hauses wesentlich sind und nicht aufgeschoben werden können. Und auch diese Kosten müssen getragen werden.“
Anstatt also Millionen in eine Reform ohne langfristige Perspektive zu investieren, sollte die Landesregierung endlich jene Maßnahmen umsetzen, die rasch wirken, die Beschäftigten entlasten und den Patientinnen und Patienten konkrete Verbesserungen bringen, fordert Auer: „Acute Community Nurses, Telemedizin und funktionierende Erstversorgungsambulanzen wären dafür die richtigen Ansatzpunkte.“