Die Diskussion um die Tarifreform im Vorarlberger Verkehrsverbund reißt nicht ab. Nachdem seit der Einführung des neuen Tarifsystems bereits mehrfach nachgebessert werden musste, stehen nun auch die öffentlich kommunizierten Zahlen in der Kritik. So hat der zuständige Verkehrslandesrat Christof Bitschi im Landtag noch behauptet, dass 85 Prozent aller Fahrten gleich teuer oder sogar günstiger geworden sind. Eine Medienrecherche zeigt nun aber auf: Etwa 44 Prozent aller Fahrten sind durch die Tarifreform teurer geworden.
Die SPÖ will mit einer Anfrage an Landesstatthalter Christof Bitschi daher in Erfahrung bringen, was hinter dem Zahlenchaos steckt und ob die Öffentlichkeit womöglich bewusst getäuscht wurde.
Auf Tarifwahnsinn folgt Zahlenchaos
„Seit dem Start der Tarifreform vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Probleme auftauchen oder nachgebessert werden muss. Zuerst waren es massive Preissteigerungen, unverständliche Tarifgrenzen, Probleme bei den Ticketautomaten und der enorme Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jetzt stellt sich auch noch heraus, dass jene Zahlen, mit denen Landesstatthalter Bitschi die Reform öffentlich verteidigt hat, anscheinend nicht stimmen. Auf den Tarifwahnsinn folgt damit also nun auch noch das Zahlenchaos“, kritisiert der SPÖ-Klubobmann Mario Leiter.
SPÖ-Anfrage zu Datengrundlage
Die SPÖ wird morgen daher eine Anfrage an Landesstatthalter Bitschi einbringen, in der sie vollständige Aufklärung über die Datengrundlagen der vom Mobilitätslandesrat präsentierten Zahlen fordert. Auch soll geklärt werden, warum wesentliche Ticketgruppen wie das 1-Domino-Ticket bei den Berechnungen offenbar nicht berücksichtigt wurden. „Wenn sich herausstellt, dass die öffentlich präsentierten Zahlen nicht stimmen, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass diese Tarifreform gescheitert ist“, so Leiter.
Bitschi muss Verantwortung übernehmen
Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberg hätten endlich Klarheit und ein „Zurück an den Start“ verdient, statt ständig neuer Korrekturen und Erklärungsversuche, so Leiter abschließend: „Landesstatthalter Bitschi trägt die politische Verantwortung für dieses Durcheinander. Er kann sich nicht länger hinter dem Verkehrsverbund verstecken. Bitschi muss endlich Verantwortung für diesen Tarifwahnsinn übernehmen und endlich im Sinne der Fahrgäste und des Verkehrsverbundes handeln, ohne Wenn und Aber!“