Die Stadt Feldkirch schließt mit Ende des Betreuungsjahres 2026/27 den Ganztageskindergarten Tisis. Zwei städtische Gruppen mit 36 Kindern sind betroffen. Es ist damit bereits die zweite Schließung einer Kinderbetreuungseinrichtung in Vorarlbergs zweitgrößter Stadt, die innerhalb einer Woche bekannt wird. Erst am Dienstag wurde über den Verein Spielgruppe „Zottelbär“ das Konkursverfahren eröffnet, der Betrieb war bereits im August eingestellt worden. SPÖ-Landtagsabgeordnete und Bildungssprecherin Manuela Auer sagt dazu: „Die schwarz-blaue Landesregierung betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und dass Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf keine Steine in den Weg gelegt werden sollen. Gleichzeitig werden wir jetzt aber gerade Zeugen davon, wie in Feldkirch das Betreuungsangebot Stück für Stück zerbröselt. Da darf man sich schon fragen: Was sind die Worte von ÖVP und FPÖ eigentlich wert?“
Enorme Belastung für Eltern und Kinder
Für die betroffenen Familien bedeutet der Wegfall der bisherigen Betreuungsmöglichkeit in der Regel eine große Belastung, stellt Auer klar. „Gerade wenn so eine Umstellung während dem Betreuungsjahr passiert, ist das für Familien schwer. Eltern und Kinder müssen sich auf eine neue Situation einstellen, neue Wege, neue Bezugspersonen, neue Abläufe. Und es sind in der Regel dann vor allem die Mütter, die dann schauen müssen, wie sie das alles wieder unter einen Hut bekommen“, betont Auer. Die Stadt Feldkirch verspricht zwar nach der Schließung des Ganztageskindergarten in Tisis für jedes Kind weiterhin einen Platz, räumt dabei aber ein, dass einzelne Familien kurzfristig auf Einrichtungen in benachbarten Stadtteilen ausweichen müssen. „Hier wird Familien eine Flexibilität abverlangt, die den realen Gegebenheiten in der Arbeitswelt nicht standhält. Wer Schichtdienst hat, pendelt oder in Teilzeit arbeitet, kann nicht einfach spontan umplanen, weil sich das Betreuungsangebot ändert“, stellt die SPÖ-Landtagsabgeordnete klar.
Von der SPÖ Feldkirch kommt dazu vor allem Kritik an Bildungsstadträtin Andrea Zelzer. So habe diese bei der letzten Sitzung des Bildungsausschusses am 30. September kein Wort über die bevorstehende Schließung des Ganztageskindergarten in Tisis verloren, erklärt Angela Schmid. „Wenn eine weitere Kinderbetreuungseinrichtung in Feldkirch geschlossen wird, möchten wir darüber in den entsprechenden Gremien natürlich rechtezeitig und ausführlich informiert werden. Und nicht erst Wochen später über die Medien erfahren, was Sache ist“, so Schmid.
Weniger Kinderbetreuung, weniger Gleichstellung
Für kritisch sieht Auer auch den Zeitpunkt der nun bekannt gewordenen Schließungen, wurde doch erst zu Beginn dieser Woche vom Land der Gleichstellungsbericht vorgestellt. „Was jetzt passiert, ist kontraproduktiv zu den Erkenntnissen aus diesem Bericht. Wir können nicht am Montag noch über Gleichstellung reden und tags darauf dabei zusehen, wie dann genau jene Strukturen wegbrechen, die Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf überhaupt erst ermöglichen“, so Manuela Auer. Anstatt zuzulassen, dass das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtung ausgedünnt wird, müsste es in Vorarlberg weiter ausgebaut werden, betont die SPÖ-Bildungssprecherin. Die niedrige Geburtenrate als Vorwand für Kürzungen zu nehmen, findet Auer daher auch falsch. Vielmehr sollten diese Zahlen Anlass geben, einmal über Grundsätzliches nachzudenken. „Es fehlt jungen Frauen offensichtlich an Sicherheit und an Vertrauen in die gegebenen Strukturen. Wer nicht weiß, ob der Betreuungsplatz in zwei Jahren noch da ist, ob er zu den Arbeitszeiten passt und ob der Wiedereinstieg in den Beruf dann wirklich gelingt, überlegt es sich verständlicherweise dreimal, ob und wann eine Familie gegründet wird“, so Auer abschließend.