Die Kritik des Landesvolksanwalts Klaus Feurstein an den Strafgebühren der Gemeinde Langen bei Bregenz für jene Eltern, die ihre Kinder unpünktlich und unzuverlässig in die Betreuung bringen oder abholen, ist deutlich. Die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Bea Madlener-Tonetti kann diesem Ergebnis nur zustimmen: „Sanktionen bei verspätetem Abholen sind der falsche Weg“, weiß die ehemalige Obfrau und Leiterin einer Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtung auch aus eigener Erfahrung.
Gemeinde hat ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen
„Natürlich ist Verlässlichkeit wichtig. Pädagog:innen und Mitarbeiter:innen von Kinderbetreuungseinrichtungen brauchen planbare Arbeitszeiten. Doch eine gewisse Flexibilität in der Arbeitsgestaltung muss möglich sein“, betont Madlener-Tonetti. Immerhin haben Gemeinden einen gesetzlichen Versorgungsauftrag und die Betreuungszeiten haben sich grundsätzlich am Bedarf der Eltern zu orientieren, wie der Landesvolksanwalt in seinen Ausführungen festhält. Der Alltag von Familien sei vielfach eng getaktet. Verzögerungen im Berufsleben, Staus, verspätete öffentliche Verkehrsmittel oder mehrere Kinder, die an unterschiedlichen Orten abgeholt werden müssen, könnten schnell dazu führen, dass Eltern einige Minuten zu spät kommen, so Madlener-Tonetti. Daher sei nicht jede Verspätung als Ausdruck von Gleichgültigkeit oder mangelnder Wertschätzung zu verstehen.
Pädagogische Partnerschaft braucht Augenhöhe
„Wenn Verspätungen nicht mehr im direkten Gespräch zwischen Betreuungseinrichtung und Eltern geklärt und stattdessen fragwürdige Pönalen verrechnet werden, verlassen wir genau jene partnerschaftliche Ebene, die in der Kinderbildung und -betreuung wichtig ist“, so Madlener-Tonetti.
Kinderbetreuung funktioniere dann am besten, wenn Eltern und Pädagog:innen einander als Partner verstehen. Dazu gehörten klare Regeln, aber genauso Gesprächsbereitschaft und gegenseitiges Verständnis. „Gemeinsam können dann praktikable Lösungen erarbeitet werden.“
Frauenpolitische Perspektive nicht vergessen
Besonders kritisch sieht die Landesfrauenvorsitzende pauschale Strafmodelle auch aus frauenpolitischer Sicht. In vielen Familien sind es nach wie vor Frauen, die den größten Teil der Bring- und Abholorganisation übernehmen. Wenn die Arbeitszeiten der Frauen und die Betreuungszeiten ihrer Kinder nicht zusammenpassen, geraten vor allem Mütter unter Druck. Strafzahlungen verschärfen diese Situation zusätzlich.
„Wir brauchen Gemeinden und Kinderbetreuungseinrichtungen, die nahe bei den Familien sind. Wenn bei jedem Problem sofort Sanktionen ausgesprochen werden, schaffen wir Distanz statt Vertrauen. Eine familienfreundliche Gemeinde zeichnet sich für mich dadurch aus, dass sie zuerst nach Lösungen sucht“, so Madlener-Tonetti abschließend.