Der Tarif-Wahnsinn von Landesstatthalter Christof Bitschi treibt die nächsten Blüten. Mehr als zwei Monate nach Einführung des neuen VVV-Tarifmodells wird von Busfahrinnen und Busfahrern berichtet, die „Schummelzettel“ für die neuen Zonen benötigen, um überhaupt das richtige Ticket verkaufen zu können. Für SPÖ-Verkehrssprecher Mario Leiter ist das der nächste Beleg dafür, wie weit Bitschis Versprechen eines einfachen Tarifsystems und die Realität auseinanderliegen. Die SPÖ kritisiert das neue Tarifmodell seit seiner Einführung wegen Preissteigerungen und seiner mangelnden Übersichtlichkeit.
Erst Strafgebühr zur „Entlastung“ der Fahrerinnen und Fahrer
Besonders absurd wird die Situation für Leiter mit Blick auf die Debatte um die 50-Cent-Strafgebühr beim Ticketkauf im Bus. Anfang 2025 wurde unter Verkehrslandesrat Bitschi ein zusätzlicher Aufpreis für Tickets eingeführt, die nicht digital gekauft werden. Die SPÖ bekämpfte diesen Strafzoll mit einem Antrag, einer parlamentarischen Anfrage und einer Debatte im Landtag. Mit Erfolg: Der Aufpreis wurde in Folge zumindest beim Kauf an den Fahrscheinautomaten in den Bussen wieder abgeschafft. Verkehrslandesrat Bitschi ließ die Strafgebühr aber beim direkten Ticketkauf beim Buspersonal bestehen. Begründet wurde das von der Landesregierung unter anderem damit, dass dies dem Personal Zeit koste, zu Verspätungen führe und die Fahrerinnen und Fahrer entlastet werden müssten.
„Schon damals war es falsch, Fahrgäste dafür zur Kasse zu bitten, dass sie ihr Ticket beim Fahrer kaufen. Besonders ältere Menschen und Menschen ohne Smartphone werden damit benachteiligt. Aber angesichts der jetzigen Situation wird die damalige Argumentation der Landesregierung endgültig zur Farce“, sagt Leiter.
Bitschi produziert selbst jene Verzögerungen, für die Fahrgäste zahlen sollen
Denn ausgerechnet jene Landesregierung, die einen Preisaufschlag mit der Entlastung des Buspersonals und einem schnelleren Ticketverkauf rechtfertigte, hat nun ein Tarifsystem eingeführt, das den Ticketverkauf für die Fahrerinnen und Fahrer offenbar komplizierter macht. „Das muss man sich einmal vorstellen: Fahrgäste sollen 50 Cent mehr bezahlen, weil der Ticketverkauf beim Personal angeblich zu lange dauert und aufhält. Gleichzeitig führt Bitschi ein System ein, bei dem die Lenker Zonenlisten und Schummelzettel brauchen, um das richtige Ticket auszustellen. Absurder geht es kaum“, kritisiert Leiter.
Für den SPÖ-Verkehrssprecher zeigt sich damit auch, dass die Probleme nicht bei den Fahrgästen liegen, die weiterhin ein Ticket im Bus kaufen möchten. „Bitschi wollte die Verantwortung den Fahrgästen zuschieben. Wer nicht digital kauft, hält angeblich den Betrieb auf und wird mit teureren Tickets bestraft. Jetzt zeigt sich: Nicht die Fahrgäste sind das Problem, sondern eine vermurkste Tarifreform, die selbst für das Buspersonal komplizierter geworden ist, das täglich damit arbeiten muss.“
Bitschi soll Verantwortung übernehmen
Leiter kritisiert insbesondere, dass die Busfahrerinnen und Busfahrer mit den Folgen der Reform im Arbeitsalltag weitgehend alleine gelassen würden. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die SPÖ auf Rückmeldungen von Beschäftigten hingewiesen, die von zusätzlicher Verwirrung und Konflikten durch das neue System berichteten. Die nun bekannt gewordenen „Schummelzettel“ seien ein weiteres Warnsignal. „Christof Bitschi hat diesen Tarif-Wahnsinn politisch zu verantworten. Er kann nicht ständig erklären, wie großartig seine Reform in der Theorie funktioniert, während Fahrgäste in der Realität mehr bezahlen, Busfahrer mit Zonenlisten hantieren und der VVV laufend nachbessern muss. Wer eine derart vermurkste Reform durchdrückt, sollte irgendwann erkennen, wann Schluss sein muss“, so Leiter.
Die SPÖ hat deshalb Anfang August einen Antrag in den Vorarlberger Landtag eingebracht, mit dem das gescheiterte Tarifsystem wieder abgeschafft werden soll. Der Antrag soll voraussichtlich im November behandelt werden. „Bitschi muss endlich Verantwortung übernehmen, statt diesen Tarif-Wahnsinn weiter schönzureden. Wir brauchen wieder ein Tarifsystem, das einfach, verständlich und leistbar ist, für die Fahrgäste genauso wie für jene, die jeden Tag dafür sorgen, dass unsere Busse fahren“, so Leiter abschließend.