SPÖ-Verkehrssprecher Mario Leiter zeigt sich irritiert über die gestrige Pressekonferenz zur VVV-Tarifreform. Einerseits seien dort Fahrgäste, die berechtigte Kritik äußern, als „lautstarke Minderheit, die von irgendeinem Spezialfall betroffen sei“ abgewertet worden; andererseits wurde als Begründung für die Tarifreform das Ziel geäußert, Einzelfahrten so unattraktiv zu machen, damit Fahrgäste auf eine Jahreskarte umsteigen.
Bitschi-Logik führt direkt zu Straßenmaut
Bemerkenswert findet Leiter auch die Feststellung, dass der Verkehrsverbund zu einem wesentlichen Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. „Hoffentlich verrät niemand dem Verkehrslandesrat, dass auch Straßen und Tunnels aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Denn dann wird er nach derselben Logik sofort massive Straßen- und Tunnelmaut verlangen müssen.“
Öffentlicher Verkehr ist Daseinsvorsorge
Natürlich wird öffentlicher auch aus Steuermitteln finanziert, erklärt Leiter: „Das ist auch richtig so. Bus und Bahn sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und eine wichtige Investition in Mobilität, Klimaschutz und die Lebensqualität in unserem Land. Die entscheidende Frage ist aber eine andere: Bekommen die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger für dieses Geld ein Tarifsystem, das sie tatsächlich zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel motivier?“ Leiter stellt sich klar vor den Verkehrsverbund und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Sie bringen unzählige Fahrgäste verlässlich und sicher an ihr Ziel und müssen jetzt vielfach auch noch die Fragen und den Ärger über ein Tarifsystem auffangen, das sie nicht zu verantworten haben. Und der politisch zuständige Landesrat lässt sie damit völlig alleine.“
Bitschi will mit Verschlechterungen Fahrgästen eine Jahreskarte aufzwingen
Leiter kritisiert insbesondere das in der Pressekonferenz erklärte Ziel, durch die Tarifgestaltung mehr Menschen zum Kauf eines Jahrestickets zu bewegen. „Ein Jahresticket macht man nicht attraktiver, indem man die Gelegenheitsfahrt unattraktiv teuer macht. Wer möchte, dass mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen, darf gerade die Gelegenheitsfahrer nicht vergraulen. Stattdessen will Christof Bitschi mit massiven Verschlechterungen für Einzelfahrten den Fahrgästen eine Jahreskarte aufzwingen. Dieses abgehobene Politikverständnis lehne ich absolut ab.“
Bitschi soll Versteckspiel endlich beenden
Leiter ruft Verkehrslandesrat Christof Bitschi deshalb dazu auf, sein bisheriges Versteckspiel zu beenden und Verantwortung zu übernehmen: „Herr Bitschi, verstecken Sie sich nicht hinter dem Verkehrsverbund. Sie sind der zuständige Verkehrslandesrat. Wenn Fahrgäste für einzelne Alltagswege plötzlich massiv mehr bezahlen, ist das keine aufgebauschte Kritik, sondern ein politisches Problem, für das Sie Verantwortung tragen.“ Nicht die Zahl der verkauften Jahrestickets allein entscheidet über den Erfolg einer Tarifreform, so Leiter: „Entscheidend ist, ob insgesamt mehr Menschen Bus und Bahn nutzen. Ein gutes Tarifsystem lädt zum Einsteigen ein. Mit seinen neuen Tarifen erreicht Christof Bitschi aber genau das Gegenteil.“